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 Deutsche Stil-Epochen

Die Übergänge zwischen den einzelnen Stilen verliefen fließend. Teilweise bestanden, zumindest international gesehen, mehrere Möbelstile nebeneinander. Manche Möbel- Stilformen waren auch an bestimmte gesellschaftliche Klassen gebunden. Erinnert sei nur an den Rokoko- Stil. Diese Möbel wurden so aufwändig und nur aus teuersten Materialien gefertigt, dass sie ausschließlich dem Hofe und dem Großbürgertum vorbehalten blieben.
 

Gotik

ca. 1200-1400
Typische Möbelstücke waren Truhen von massiver Konstruktion, oft mit kostbaren Eisenbeschlägen, hohe Lehnstühle mit kastenförmigen Sitzflächen, auf Gestellen aufgebaute Tische, die leicht auseinanderzunehmen waren, und Hocker, die ähnlich geformt waren.
Anfangs waren die Truhen sehr schlichte Kästen, aus Brettern zusammengenagelt oder auch ein mit dem Beil ausgehöhlter Stamm, Einbaumtruhe genannt. Da die Schreiner den Möbelbau aber immer weiter verfeinerten, wurden die Truhen immer stabiler und man konnte auf die zuvor genutzten Eisenbeschläge zur Verstärkung verzichten.
Die Möbelbauer verwendeten damals meist einheimische Hölzer - Eiche in Nordeuropa, Kifer und Fichte im Alpenbereich und Nussbaum im Mittelmeergebiet. Die Truhen waren wohl oft farbig bemalt oder in hellen Naturtönen. Die heute noch erhaltenen Möbel sind im Laufe der Jahrhunderte aber stark nachgedunkelt.
 
Auf Grund der verstreut liegenden Besitzungen, mußte der Adel damals viel Zeit auf Reisen verbringen. Viele Möbel waren desshalb tragbar und mit Griffen versehen. Truhen hatten oft gewölbte Deckel, damit das Regenwasser ablaufen konnte. Sie waren selten verziert, ausser vielleicht mit einem Lederbezug, jedoch mit festen Scharnieren und schweren Schlössern versehen. Die im Haus verwendeten Truhen hatten bequemere, flache Deckel und manchmal auch Füsse oder Beine.
Seit der Mitte des 16.Jahrhunderts wurden Truhen gelegentlich unterhalb des durch einen Deckel nur von oben zugänglichen Raumes mit kleinen Schubladen versehen. Daraus entwickelte sich im Laufe des 17.Jahrhunderts die Kommode.
 
Für private Inneneinrichtungen blieb bis ins 16. Jahrhundert die Truhe das allgemein gebräuchliche Möbel für die Lagerung und Aufbewahrung von Gegenständen. Ab dem 16. Jahrhundert wurden Schränke jedoch vermehrt hergestellt, entweder mit zwei Türen oder in zwei Geschossen mit vier Türen.
Schränke gab es zwar auch schon weitaus früher, waren aber, ausser in Klöstern zur Aufbewahrung von Büchern, Messgewändern und liturgischen Gefäßen, nicht in Gebrauch.
 

 Renaissance

1400-1650
Während die Frührenaissance in Italien schon im 15. Jh. einsetzte, verbreitete sich die Renaissance im übrigen Europa erst in den beiden ersten Jahrzehnten des 16. Jh. Die Frührenaissance währte in Italien von ca. 1420-1480/90, die Hochrenaissance von 1480/90-1520/30 und die Spätrenaissance von 1520/30-1580/90.
 
Neue Möbeltypen entstanden, wie das Buffet. Zunächst waren es von Süddeutschland bis Tirol die typischen zweigeschossigen Schränke. Am häufigsten war wohl der sogenannte „Stollenschrank“, der aus Flandern stammte. Der Stollenschrank bestand aus einem truhenförmigen Kasten, der auf hohe Stollen gestellt war. Unter dem Kästchen, das mit Türen versehen war, befanden sich zwei Schubladen und etwas unterhalb ein Abstellbrett. Die selbst waren am Boden ebenfalls durch eine Platte verbunden. Die Türfüllungen waren meist mit jeweils zeitlichen und örtlichen Schnitzereien verziert.
Gegen Ende des 15. Jh. wurden gerne erkerförmige Stollenschränke hergestellt. Der Stollenschrank kann auch als Vorläufer des Büfetts angesehen werden.
 
In den Niederlanden und am Niederrhein entstand in der Spätgotik eine neue Form der Schnitzerei, das sogenannte Faltwerk. Diese Bezeichnung soll darauf hinweisen, dass die Schnitzerei an ein gefaltetes Tuch erinnerte. Später wurden diese „Falten“ zu komplizierten Mustern verwoben.
 
Man kannte bereits auch das Furnieren, was aber erst zur Zeit der Renaissance größere Verbreitung fand.
Die so genannten Renaissance-Möbel, allen voran die Schränke, sind oft mit gedrechselten Säulen und anderem Architekturdekor gegliedert. Die Möbel hatten oft eine tempelartige Fassade und eine stark ausgeprägte Ornamentik. Beliebt waren u. a. Verzierungen mit Atlanten, Akanthus, perlstabförmige Leisten, Ziergebinde aus Blüten und Blättern, Hermen und Waffen sowie den in der Renaissance entwickelten Arabesken und Grotesken.

In der Spätrenaissance kamen auch Drechselarbeiten immer mehr in Mode. Die um 1520/30 beginnende Spätrenaissance bereitete den Weg für das Barock vor.
Barock
ca. 1650 bis 1780
Nur allmählich lösten barocke Stilformen die Renaissance ab! Es ist daher schwer zu sagen, zu welcher Zeit das Barock die Renaissance ablöste, der Übergang war fließend. Es dauerte bis zur 2. Hälfte des 17. Jh. bis die Blüte barocker Merkmale den Stil deutlich hervorhob. Im Allgemeinen wird die Zeit zwischen ca. 1600 bis 1780 als Barock bezeichnet. Die Stilepoche Barock wird in die Epochen Frühbarock (ca.1600 bis 1650), Hochbarock (ca. 1650 bis 1710) und Spätbarock oder Rokoko (ca. 1730 bis 1780), unterteilt.
 
Das Barock ist der Inbegriff des "Höfischen", wobei Frankreich mit seinen Königen die kulturell führende Rolle spielt. Aber auch in England, Italien, Holland und Deutschland bilden sich eine oder mehre landestypische barocke Stilformen aus, die alle das gleiche Ziel haben: kraftvolle, üppige Formen und die Schaffung von prachtvollen, reich geschmückten Repräsentationsobjekten.
 
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden geschwungene, plastische Formen zunächst auf großen Schrankmöbeln wie Kleiderschränken oder Schubladentruhen von Kloster- und Schlosseinrichtungen benutzt. Der Repräsentationscharakter der Barockmöbel war vor allem in Frankreich und Deutschland vorherrschend, die Möbelschreiner entwarfen nicht mehr Einzelstücke, sondern ganze Garnituren, waren also für die gesamte Einrichtung von Wohnungen oder Schlössern verantwortlich. Erstmals in der neueren Geschichte der Inneneinrichtung war der Trend zu einem einheitlichen Stil feststellbar. Die durch den zunehmenden Welthandel erhältlichen Tropenhölzer ermöglichten besondere Furnierungen und Einlegearbeiten.

Einlegearbeiten aus verschiedenen Hölzer, Schildpatt, Elfenbein, Halbedelsteinen und Metall standen im Mittelpunkt. Sockel, Gesimse und Giebel, die hervortraten, gaben den Möbelstücken eine gewellte Silhouette. Geschwungene Linien und gebauchte Flächen wurden zum typischen Merkmal barocker Möbel. Die nach antikem Vorbild geradlinig geformten Säulen wurden von spiralig gedrehten Säulen ersetzt. Die Zeit des Barock Möbel stellte die künstlerische Ausfertigung noch mehr als bisher vor den Nutzen des Möbels.

Rokoko
ca. 1730-1770

Bezeichnung für die von 1730-1770 von Frankreich aus beeinflusste Kunst- und Kulturepoche in fast ganz Europa, manchmal auch verallgemeinernd Spätbarock genannt.

Der Name Rokoko leitet sich vom französischen Ausdruck Style Rocaille ab, für den Stil der Zeit zwischen Barock und Klassizismus. Seine Blütezeit erreichte das Rokoko aber 1730-1770. Die üppigen, schweren symmetrischen Formen des Barock wichen zierlichen, asymmetrisch angelegten, durch Ranken, Blumen und netzartige oder gitterförmige Verzierung aufgelockerten und verspielt wirkenden Dekorationsformen, mit der Rocaille als Hauptornament.
Ein häufig verwendetes Stilelement war ein asymmetrisches C mit breitem, gewellten Außenrand. Dadurch entstand ein muschelförmiges Element.
Zopfstil
ca. 1760-1780/90
Zopfstil und Empire werden oft in die Kategorie Klassizismus eingeordnet.
 
Während die vorangegangenen Stile fast ausschließlich durch den Adel repräsentiert wurden, war seit Ende des Rokokos auch das vermögende Bürgertum entscheidend an den Stilentwicklungen beteiligt. Charakteristisch für den Zopfstil ist zum Teil eine gewisse Einfachheit und nicht mehr die im Barock und Rokoko übliche, auf Repräsentation ausgerichtete Gestaltungsweise.
Die gebauchten und gerundeten Formen verschwinden, gradlinige Formen dominieren.

Empire
ca. 1800 - 1815

Das Empire (frz. empire = Kaiserreich) ist die zweite Stilphase (1795-1815) des Klassizismus,
die sich zur Zeit Napoleons I. in Frankreich herausbildet.
 
Es gilt als der Repräsentationsstil Napoleons schlechthin. Der reine Empire-Stil kennzeichnet sich durch eine strenge, klare und meist gradlinige Grundform. Schmuck und Zierrat zeigen ägyptische, griechische und römische, der Antike entnommene Motive. Löwen, Adler, geflügelte Stiere, Schwäne, Sphingen, Pferde, Urnenvasen, Kränze oder Girlanden zieren die Möbel in dominanter Weise.
Dazu kommen Pilaster, Säulen, Kapitelle, Hermen, Karyatiden und Obelisken. Das bevorzugte Holzart ist Mahagoni und ebonisierte Hölzer.

Biedermeier
ca. 1815 - 1848

Das Biedermeier ist kunstgeschichtlich die letzte Stilphase des Klassizismus. Es beginnt  etwa um 1815 als Frühbiedermeier und erfährt zwischen 1820 und 1830 seine stilreinste Ausprägung und geht etwa um 1830 in das Spätbiedermeier über, welches bis 1848 andauert.
 
Die Möbel vermitteln eine gemütliche Atmosphäre und zeichnen sich durch solide Eleganz und klare Linienführung aus. Es wurden die repräsentativen Möbelformen des Empire übernommen, jedoch mit sparsamerem Zierat und meist ohne die beim Empire übliche Vergoldung des Dekors. Hellfarbene Hölzer (Kirsche, Nussbaum, Birke und Ahorn) wurden sparsam mit dunklen Leisten, Pilastern und Säulen verziert. Im Spätbiedermeier kommt es zu einer Auflockerung. Die kantigen Seiten der Möbel nehmen wieder gerundete oder abgeschrägte Formen an.
Historismus
1830 - 1880
Im deutschsprachigen Raum löste der Historismus gegen 1845 das Biedermeier ab. In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurden Stilelemente des Empire, der Gotik, der Renaissance und des Barock neu entdeckt und verwendet. Bezeichnet werden die neuen Stile durch Voranstellen der Wörter Zweites- oder Neo-, z. B. Zweites Empire, Neogotik, Neorenaissance etc.
Das früher vom Herrscherhaus und vom Adel geprägte Kunstmandat splitterte sich auf, und es bildete sich ein bürgerliches Mäzenatentum. Wer auch immer über die nötigen Mittel verfügte, ließ nach seinen eigenen oder den Vorstellungen frei agierender Künstler und Architekten, in Anlehnung an repräsentative Vorbilder der Vergangenheit, Häuser bauen und einrichten.
 
Neuartige Bearbeitungsmaschinen ermöglichen erstmals die industrielle Fertigung von Mobiliar und
Einrichtungsgegenständen in hohen Stückzahlen. Möbeltypen werden aktualisiert, neue Möbeltypen
werden geschaffen.
Jugendstil
ca. 1880 - 1920
Die deutsche Bezeichnung für die in Europa und in Amerika 1885/90-1914 verbreitete Stilrichtung (in Frankreich Art nouveau).
 
Charakteristisch für den Jugendstil sind vor allem die Wiedergabe floraler Elemente (bevorzugt wurden Seerosen sowie Iris) und Liniengebilde sowie die Darstellung schöner Frauen mit lang wallendem Haar (als Idealbilder von Harmonie und Schönheit) sowie Tierdarstellungen (besonders Libellen, Käfer, Schwäne, Pfauen und Fische).

Neben Gebäuden, Einrichtungsgegenständen und Bildern geben vor allem Objekte aus Glas sowie von berühmten Juwelieren gestaltete Schmuckstücke Zeugnis von dem außergewöhnlich ästhetischen Formempfinden der damaligen Zeit.
   
 
Ein neuer Stil tritt nicht von heute auf morgen auf. Insbesondere Möbel reagieren recht langsam auf neue Stilentwicklungen, es dauerte immer eine gewisse Zeitspanne, bis sich ein neuer Stil durchsetzen konnte. Die verschiedenen Stile haben teilweise jahrzente lang Jahre überschnitten, und zeigen auch regional deutliche Abweichungen.